Giese
und
Schweiger

Josef Dobrowsky

1889 Karlsbad - 1964 Tullnerbach

Josef Dobrowsky besuchte zunächst die Wiener Kunstgewerbeschule und studierte anschließend, von 1906 bis 1919, an der Akademie unter Christian Griepenkerl und Rudolf Bacher. Seine künstlerischen Anfänge lagen im 'Wiener Dekoratismus'. Das frühe Hauptwerk "Die Armen im Geiste", entstanden 1914, ist eine großformatige, durch Linie, Farbe und überlegte Komposition bestimmte 'geistreiche Allegorie'. Einflüsse von Hodler, Klimt und Egger-Lienz sind in dieser Frühzeit spürbar. 1919 trat Dobrowsky der Wiener Secession bei. Um das Jahr 1920 gewann die Kunst Pieter Bruegels d. Ä. für ihn mehr und mehr an Bedeutung. Das äußerte sich einerseits in der Beschränkung auf wenige, schwere, erdige Töne und anderseits in der Thematik - Bilder, die vom bäuerlichen Alltag erzählen, zeigen die Anlehnung an das niederländische Vorbild. In der Folge entwickelte der Künstler einen Stil, der ihm den Titel 'Lyrischer Fauve' einbringen und für die 1930er und 1940er Jahre bestimmend bleiben sollte. Die Palette wurde reicher, bevorzugte Inhalte waren Landschaft, Blumenbild und Porträt. Mit der Berufung an die Akademie - von 1947 bis 1963 wirkte er als Professor - begann auch in seinem malerischen Schaffen ein neuer Abschnitt. Er blieb dem Sujet der Wirklichkeit verpflichtet, doch war die Farbe nicht mehr Diener der Realität, sondern Ausdrucksmittel für eine eigene, neue Wirklichkeit, geschaffen durch eine spezifische, empfundene Sicht der Dinge.

Literatur

W. Hofmann, Moderne Malerei in Österreich, Wien 1965; Josef Dobrowsky, Galerie Würthle, Wien 1979, mit Lit.; Kunst in Österreich. 1918-1938, Österreichische Galerie, Schloß Halbturn, Wien 1984, S. 78ff, mit Lit.; Kunst des 20. Jahrhunderts. Bestandskatalog der Österreichischen Galerie des 20. Jahrhunderts, Wien 1993, Bd. I, S. 152ff; H. Giese, Farbe, Ausdruck und Erzählung. Eine Verbeugung vor Josef Dobrowsky, in: Parnass, Wien 1993, Heft 2, S. 24ff; Josef Dobrowsky – Wahrnehmung und Farbe, Belvedere / Österreichische Galerie Wien, Wien 2014; Nachschlagewerke: Vollmer, Schmidt