Giese
und
Schweiger

Leopold Carl Müller

1834 Dresden - 1891 Wien

Leopold Carl Müller begann 1852 sein Studium an der Wiener Akademie - zunächst besuchte er die Vorbereitungsschule unter Carl Blaas, ein Jahr später wechselte er zu Christian Ruben, Leiter der Meisterklasse für Historienmalerei. Mit Beginn der 60er Jahre arbeitete der Künstler als Illustrator für das Wochenblatt 'Figaro'. Ab 1870 widmete er sich ausschließlich der Malerei. Reisen führten ihn nach Ungarn und Italien, letzteres wurde zum immer bestimmenderen Erlebnis, Venedig, wo er sich mit seinem treuen und bewunderten Freund August von Pettenkofen aufhielt, fast zur zweiten Heimat. Er entdeckte Süditalien und Sizilien und wenig später, 1874, Ägypten. Leopold Carl Müller interessierte die aktuelle Gegenwart des Orients, das Licht, die Farben, die Atmosphäre. Die Bekanntschaft mit dem Prince of Wales eröffnete ihm den Kontakt zu Londoner Kunstkreisen. Ein Exklusivvertrag mit dem Kunsthändler Henry Wallis und unglaubliche Erfolge waren das Ergebnis. "In den folgenden Jahren wird Müller der vielleicht gesuchteste Schilderer des orientalischen Volkslebens." / H.Zemen. 1877 wurde er Professor für Historienmalerei an der Akademie, als Orientmaler war er ein Größe auf dem Weltmarkt. 1890 wurde zum Rektor der Akademie gewählt, ein Jahr später wurde er mit dem Ehrenzeichen für Kunst und Wissenschaft ausgezeichnet. Sein Frühwerk zeigt neben dunkel gehaltenen Genrebildern auch lichtdurchflutete, atmosphärische Landschaften. Stimmung wurde geschildert, trotz allem Realismus der Auffassung. Die Wahrheit, die optische wie die weit schwerer zu definierende innere, war sein künstlerisches Ziel.

Literatur

G.Wimmer, Der Orient-Müller, Manuskript, Wien 1991; H.Zemen, Leopold Carl Müller, Briefe und Dokumente, Wien 1996; H.Giese, Leopold Carl Müller. Unter südlicher Sonne, in: Parnass, Heft 3, Wien 1996, S.48ff; Nachschlagewerke: Wurzbach, Thieme-Becker, Boetticher