Giese
und
Schweiger

Broncia Koller-Pinell

1863 Sanok am San (Galizien) - 1934 Wien

Als siebenjähriges Kind kam Bronislawa (Koseform: Broncia) Pineles, Tochter eines galizischen Fortifikationsingenieurs, mit ihrer Familie nach Wien. Ein vom Vater in Wien gegründeter und prosperierender Produktionsbetrieb bot den bürgerlichen Hintergrund für eine künstlerische Ausbildung. Diese führte sie zunächst (1881) zu dem Bildhauer Josef Raab, in der Folge zur Fokussierung des Malereistudiums als Privatschülerin zu Alois Delug nach Wien. Ein erfolgreiches Ausstellungsdebut in Wien 1888 („Internationale Kunstausstellung“) bestärkt sie, in Ludwig Herterichs privater Malschule in München eine Art von Meisterklasse zu absolvieren. Die junge Künstlerin bewegte sich in intellektuellen und zum Teil auch liberalen Kreisen, Sigmund Freud bzw. Lou Andreas-Salomé und Rosa Mayreder zählten zu ihren Bekannten. Nach der Heirat mit Hugo Koller (1896) und der Geburt von zwei Kindern beginnt sie sich um 1902/03 intensiver mit secessionistischer Kunst auseinanderzusetzen, das Haus der Familie - Gut Oberwaltersdorf - wird zum Treffpunkt der Wiener Avantgarde (u.a. Kolo Moser, Josef Hoffmann). Die Bekanntschaft mit dem Maler Heinrich Schröder führt zu einer engen künstlerischen Zusammenarbeit, 1911 stellt man gemeinsam in der Wiener Galerie Miethke aus. Im zeitlichen Vorfeld lagen für Broncia Koller weitere Erfolge wie 1908 die Teilnahme an der Ausstellung der „Kunstschau-Gruppe“, welche unter der Leitung von Gustav Klimt stand. Auch in späteren Jahren sucht sie den Kontakt zu sowie Austausch mit jungen, progressiven Künstlern (Anton Faistauer, Albert Paris Gütersloh, Franz Zülow), ab 1921 ist in ihrem Schaffen eine Orientierung an Karl Hofer sowie neusachlichen Tendenzen zu bemerken.

Literatur

Sieglinde Baumgartner, Broncia Koller-Pinell 1863 – 1934 / Eine österreichische Malerin zwischen Dilettantismus und Profession, phil. Diss., Salzburg 1989 (mit Werkverzeichnis); Broncia Koller-Pinell / Eine Malerin im Glanz der Jahrhundertwende, Jüdisches Museum Wien, 1993; Boris Manner (Hrsg,) Broncia Koller, Wien 2006