Giese
und
Schweiger

Alfons Schilling

1934 Basel - 2013 Wien

Der 1934 in Basel geborene Alfons Schilling absolvierte zunächst eine Banklehre in der Schweiz, bevor er 1956 ein Studium an der Akademie (heute Universität) für angewandte Kunst in Wien begann (Meisterklasse Eduard Bäumer). Um 1960 wandte er sich von der akademischen Malerei ab und der Aktionsmalerei zu. 1961 stellte Schilling erstmals zusammen mit Günter Brus in der Wiener Galerie Junge Generation aus. Es folgte ein fünfmonatiger Aufenthalt in Paris, wo er sich intensiver mit seinen „Rotationsbildern“ beschäftigte: Malereien auf rotierenden kreisförmigen Bildflächen, die von einem Motor angetrieben wurden. Kurz darauf zog Schilling nach New York, wo er Kiki Kogelnik und Sam Francis kennenlernte. Er übernahm handwerkliche Arbeiten in Studios verschiedener Künstler, darunter Sam Francis, Al Held und Alex Katz; außerdem lernte er Billy Klüver von den Bell Laboratories und den Verein E.A.T. (Experiments in Art and Technology) kennen. Ab 1966 befasste er sich mit den Möglichkeiten der Synthese von Raum und Bewegung im Bild. Er setzte sich intensiv mit Holografie und Stereoskopie auseinander und erarbeitete Linsenrasterfotografien. 1967 begann seine Freundschaft mit den Videopionieren Steina und Woody Vasulka, mit denen er auch zusammenarbeitete. 1968 entstanden Linsenrasterfotografien von Demonstrationen in Chicago, noch im selben Jahr nahm er in der Richard Feigen Gallery in Chicago erstmals an einer Gruppenausstellung in den USA teil. 1970 fand bei Feigen in New York die erste Einzelschau statt. 1971 reiste er mit Woody Vasulka nach Island, wo ein Großteil der Aufnahmen für die „Brainscapes“ entstand. Er begann mit Lochkamerafotografie zu experimentieren. 1973 entwickelte er eine Art von Virtual-Reality-Videohelm und im Laufe der 1970er- und 1980er-Jahre verschiedene tragbare Sehmaschinen und die autobinären Raumbilder (bzw. autobinären Stereobilder), die sein weiteres Schaffen prägten. Er unterrichtete an verschiedenen Kunstinstitutionen (u. a. der Cooper Union und dem Hunter College in New York) und hatte Aufführungen und Ausstellungen in den USA und Europa. 1977 unternahm er eine mehrmonatige Afrikareise. Mit einer Einzelausstellung im New Yorker Whitney Museum gelang ihm 1978 endgültig der künstlerische Durchbruch. 1985 wurde ihm eine Fellowship der John Simon Guggenheim Memorial Foundation zugesprochen. 1986 kehrte Schilling nach Wien zurück und hatte bis 1990 eine Gastprofessur an der Hochschule (heute Universität) für angewandte Kunst inne. 1987 fand die Einzelausstellung „Sehmaschinen“ im Wiener Museum für angewandte Kunst (MAK) statt, 1997 die große Retrospektive „Ich/Auge/Welt – The Art of Vision“ in der Kunsthalle Krems. 2007 war ihm in der Reihe „Künstler im Fokus“ erneut eine Einzelausstellung im Museum für angewandte Kunst gewidmet. 2009 richtete schließlich das Essl Museum in Klosterneuburg eine große Werkschau aus, die von einem umfassenden Katalog begleitet wurde. Nach einem Parkinsonleiden verstarb Alfons Schilling 2013 in Wien.

Literatur

Ausst.-Kat. „Alfons Schilling. Sehmaschinen“, Museum für angewandte Kunst, Wien 1987; Ausst.-Kat. „Von der Aktionsmalerei zum Aktionismus. Wien 1960–1965“, Museum Fridericianum, Kassel/Kunstmuseum Winterthur/Scottish National Gallery of Modern Art, Edinburgh, Klagenfurt 1988; Ausst.-Kat. Alfons Schilling (Hg.), „Alfons Schilling. Ich/Auge/Welt – The Art of Vision“, Kunsthalle Krems, Wien/New York 1997 (mit einer ausführlichen Bibliografie); Christian Reder, „Forschende Denkweisen. Essays zu künstlerischem Arbeiten“, Wien/New York 2004 (zu Alfons Schilling u. a.); Ausst.-Kat. Alfons Schilling (Hg.), „Alfons Schilling. Die frühen Bilder“, Galerie Konzett, Wien 2008; Ausst.-Kat. „Alfons Schilling“, Essl Museum, Klosterneuburg 2009; Ausst.-Kat. Inés Ratz/Peter Coeln/Rebekka Reuter/Fabian Knierim (Hg.), „Alfons Schilling. Beyond Photography“, FotoMuseum Westlicht, Wien 2017