Giese
und
Schweiger

Robert Lettner

1943 Elne, Frankreich - 2012 Wien

Robert Lettner war ein österreichischer Maler. Seine künstlerischen Leitthemen setzten sich mit Utopie, Widerstand, Landschaft als auch mit Fragestellungen digitaler Kunst und Ornamentik auseinander. Aufgewachsen im Internierungs- und Deportationslager Camp de Gurs gelangte Lettner über Stationen in Paris und Salzburg 1953 nach Wien. Auf die Lithographenlehre (1958-1962) folgte das Studium der Malerei bei Franz Elsner an der Wiener Akademie der bildenden Künste (1964-1969). Ende der 1960er Jahre nahm Lettner an mehreren Ausstellungen teil, wurde Mitglied der Wiener Secession und ging 1970 mit einem Stipendium an die Slade School of Fine Art in London. In den 1970er Jahren zeigte Lettner in der Wiener Galerie nächst St. Stephan eine Reihe von Ausstellungen politischen Inhalts. Oswald Oberhuber holte Lettner 1976 an die Hochschule für angewandte Kunst in Wien, wo er 1985 - 2008 die Abteilung Grafik-Reprotechnik leitete. Beginnend mit 1998 entwickelte Lettner (ab 2004 gemeinsam mit Philipp Stadler) Techniken einer digitalen Kunst. Im Austausch mit der Wissenschaft (Mathematik, Philosophie) trieb er die experimentelle Weiterentwicklung des Bildbegriffs im digitalen Raum voran. Er gilt heute als einer der Pioniere künstlerischer Forschung. Das bildnerische Schaffen Lettners umfasst den Zeitraum 1965 bis 2012 und besteht neben Aquarellen und Tuschezeichnungen aus klassischen analogen als auch aus digital erstellten Gemälden. Sein Werk lässt sich gemäß seinen Leitthemen wie folgt einordnen: (1.) Balkenbilder (1968–2008), eine Auseinandersetzung mit dem Begriff der Utopie; (2.) Serien wie Anarchie, Stilleben und Portrait – eine Dokumentation der 70er Jahre (1970–1978), die den Begriff des Widerstands thematisieren; (3.) Landschaftsmotive wie u.a. die Serie Landschaft Bilder Therapie oder Die letzten Alpenbilder (1982–2000) zur grundlegenden Hinterfragung von Aufgabe, Funktion und Zweck der Malerei; (4.) Werkgruppen wie Farbpartituren und Das Spiel vom Kommen und Gehen (1976–1982) oder der Zyklus Diskettenbilder (1985–1994) setzen sich ebenso wie Werke digitaler Malerei (Serien wie Bilder zur magischen Geometrie, Knotenbilder, Spiegelungen und Synchronwelten der Jahre 1995–2012) mit ornamental strukturierten Ordnungssystemen auseinander. Eine bedeutende posthume Würdigung erfuhr das Schaffen Robert Lettners mit der Präsentation einer Werkauswahl im Rahmen der Eröffnungsausstellung „The Beginning“ der Albertina Modern 2020.

Literatur

Harald Kraemer: "Robert Lettner. Das Spiel vom Kommen und Gehen. Widerstand Utopie Landschaft Ornament", Margit Lettner, Markus Lettner, Peter Menasse (Hrsg.), Klagenfurt, 2018