Giese
und
Schweiger

Tin Trohar. Fünf Kreuzigungen

14. September -12. Oktober 2022

 

Das Kreuz als uraltes Motiv fand in der Kunst vor allem in Form der Kreuzigung seinen Niederschlag. Denn die Geschichte des gekreuzigten Jesus Christus hat nicht nur die Botschaft des christlichen Glaubens verbreitet, sondern auch die größten Meister der Kunstgeschichte zu bedeutenden Werken inspiriert. Rubens, Zurbarán und viele andere agierten im Auftrag der Kirche, Tin Trohar widmet sich dieser Motivik aus freien Stücken. Ganz natürlich, ohne Pathos, ohne religiöse Botschaft. Ob er gläubig ist? Welche Rolle Jesus Christus in seinem Leben spielt? Er beantwortet diese Fragen nicht. Tin Trohar ist Maler und kein Geschichtenerzähler. Nicht das Warum ist entscheidend, sondern das Wie. Wie sehr sich dieses Wie vom bisher Dagewesenen abhebt, erlebt man erst vor dem Original. Bei aller Reduktion der Farbigkeit verzichtet Trohar nicht auf den aus seiner Malerei bekannten Einsatz von Glitzer und lässt somit den sterbenden Körper Jesu Christi in eigenwilligem Glanz erstrahlen.

Wir alle haben eine Beziehung zu diesem gekreuzigten Mann. Und so mannigfaltig diese Beziehungen sind, so unterschiedlich wir als Gesellschaft auf dieses Sujet reagieren, so vielfältig sind die Antworten auf die Frage nach dem Sinn des Lebens und des Todes. Und deshalb war es auch nicht mit einer Kreuzigung getan. Es sind vorerst einmal derer fünf. Lange hat sich Tin Trohar dem Thema angenähert, die letzten Monate hat er sich daran abgearbeitet. Jetzt liegt es an uns, auf diese Bilder zu reagieren. 

Alexander Giese

Tin Trohar, "Nummer 1", 2022, Acryl und Glitter auf Jute, 260 x 180 cm

Tin Trohar, "Nummer 1", 2022, Acryl und Glitter auf Jute, 260 x 180 cm

Tin Trohar, "Nummer 2", 2022, Acryl und Glitter auf Jute, 270 x 200 cm

Tin Trohar, "Nummer 2", 2022, Acryl und Glitter auf Jute, 270 x 200 cm

Tin Trohar, "Nummer 3", 2022, Acryl und Glitter auf Jute, 260 x 220 cm

Tin Trohar, "Nummer 3", 2022, Acryl und Glitter auf Jute, 260 x 220 cm

Tin Trohar, "Nummer 4", 2022, Acryl und Glitter auf Jute, 270 x 190 cm

Tin Trohar, "Nummer 4", 2022, Acryl und Glitter auf Jute, 270 x 190 cm

Tin Trohar, "Nummer 5", 2022, Acryl und Glitter auf Jute, 260 x 210 cm

Tin Trohar, "Nummer 5", 2022, Acryl und Glitter auf Jute, 260 x 210 cm

Biografie Tin Trohar

Tin Trohar wurde 1987 in Rijeka im heutigen Kroatien geboren. 1991 folgte die Familie dem Vater nach Österreich, der bereits ein Jahr zuvor als Architekt in Kärnten Fuß fassen konnte. Schon in der frühen Kindheit waren Stifte und Papier ein beliebter Zeitvertreib Trohars. Als Vorlagen dienten zunächst vor allem Tierbilder, es fanden sich aber auch einzelne Stillleben-Motive – so etwa die Bergschuhe der Mutter, die mit ihren roten Bändern und abgenutzten Stellen eine besondere Faszination ausübten. Auch in der Schule wurde Trohars zeichnerische Begabung erkannt und gefördert, wenngleich er schließlich dem Porträtieren seines Umfelds den Vorzug gegenüber dem Unterricht gab und die Schule mit 16 verließ. Wenige Jahre später zog Trohar nach Wien, wo er 2009 ein Studium an der Akademie der Bildenden Künste bei Daniel Richter begann. Nach einer herausfordernden Einstiegszeit intensivierte sich 2011/12 seine künstlerische Tätigkeit. Bedeutsam war auch die Begegnung und der daraus resultierende langanhaltende malerische Austausch mit der Künstlerin Beatrice Dreux 2013. In der Folgezeit wurde das Stillleben zum wichtigen Thema in Trohars Werk, in seinen Vanitas-Darstellungen mit variierender Technik entdeckte er schließlich die heute für ihn charakteristische Verwendung von Glitter als Pigment. Es folgten erste Jesus- und Kreuzigungsdarstellungen. Etwa zeitgleich verstarb 2015 die Mutter des Künstlers, was Trohar veranlasste, die Akademie zu verlassen und sein erstes Atelier zu beziehen. Als Motive der nächsten Jahre wechselten großformatige mythologische Figuren und Tiere mit folkloristisch-poppigen Stillleben. Nach der Abstraktion der Stillleben diente eine Serie von Pornobildern wiederum als Einstieg in die Figuration. Darauf folgte das Malen nach Ikonen der Kunstgeschichte, seien es Francisco de Zurbaráns Agnus Dei oder Albrecht Dürers Betende Hände – vergrößert und in Glitter. Damit näherte sich Trohar bereits dem an, was er nun mit seinen Kreuzigungen auf die Spitze treibt: der Verwendung eines uralten Topos, die eine Abkehr vom Persönlichen hin zum Allgemeingut mit sich bringt und zugleich in die ganz eigene Ästhetik des Künstlers übersetzt wird.

Lara Bandion

 

Zur Podcastfolge mit Tin Trohar, Alexander Giese und Lara Bandion:

Ausstellungsansicht "Tin Trohar. Fünf Kreuzigungen", Giese & Schweiger, Foto: Markus Wörgötter

Ausstellungsansicht "Tin Trohar. Fünf Kreuzigungen", Giese & Schweiger, Foto: Markus Wörgötter

Ausstellungsansicht "Tin Trohar. Fünf Kreuzigungen", Giese & Schweiger, Foto: Markus Wörgötter

Ausstellungsansicht "Tin Trohar. Fünf Kreuzigungen", Giese & Schweiger, Foto: Markus Wörgötter

Ausstellungsansicht "Tin Trohar. Fünf Kreuzigungen", Giese & Schweiger, Foto: Markus Wörgötter

Ausstellungsansicht "Tin Trohar. Fünf Kreuzigungen", Giese & Schweiger, Foto: Markus Wörgötter