Egon Schiele 1890 Tulln-1918 Wien

 

 

Schieles Interesse an künstlerischer Gestaltung erwachte sehr früh, sein Zeichenlehrer Ludwig Karl Strauch und der Augustiner-Chorherr und Kunsthistoriker Wolfgang Pauker sowie der Maler Max Kahrer rieten zum Besuch der Kunstgewerbeschule, wo man ihn, nach Vorlage von Zeichnungen, an die Akademie empfahl. 1906 trat er in die Allgemeine Malklasse von Christian Griepenkerl ein. Bereits 1907 suchte er die persönliche Bekanntschaft Gustav Klimts. Das schlechte Verhältnis zu seinem Lehrer veranlaßte Schiele aus der Akademie auszutreten. Mit Gleichgesinnten gründete er 1909 die Neukunstgruppe, er stellte in der Wiener Galerie Pisko aus, auch beteiligte er sich an der Internationalen Kunstschau. Schiele lernte Josef Hoffmann kennen, kam in Kontakt mit der Wiener Werkstätte und mit Kritikern, Sammlern und Verlegern. Arthur Roessler vermittelte ihn an den Münchner Kunsthändler Goltz, auch wurde er in die Künstlervereinigung Sema aufgenommen. 1912 stand er in Neulengbach wegen Verführung Minderjähriger unter Anklage. In den folgenden Jahren beteiligte er sich an vielen Ausstellungen im In- und Ausland. Schieles Anfänge zeigen einen regen stilistischen Austausch mit dem nur vier Jahre älteren Kokoschka. Während Kokoschka sich bald einem malerischen Expressionismus zuwandte, arbeitete Schiele mit der Linie und der Fläche. Die Kunst des Jugendstils, aber vor allem Gustav Klimt wirkten auf ihn prägend. Eine Rolle mögen auch der Stil Hodlers und die Inhalte der Arbeiten Munchs - der Mensch, die Liebe, das Leben, der Tod -, Künstler aus Frankreich wie Van Gogh oder Lautrec oder der belgische Bildhauer Georg Minne gespielt haben. Bei all diesen möglichen Auseinandersetzungen, bleibt die persönliche Ausprägung seiner Kunst und die Bedeutung seines künstlerischen Schaffens unbestritten.

 

Literatur

O. Kallir, Egon Schiele, Wien 1966; R. Leopold, Egon Schiele. Gemälde. Aquarelle. Zeichnungen, Salzburg 1972; E. Mitsch, Egon Schiele, Salzburg 1974; C. M. Nebehay, Egon Schiele. 1890-1918. Leben. Briefe. Gedichte, Salzburg 1979; Egon Schiele und seine Zeit. Aus der Sammlung Leopold, Kunstforum Wien, München 1988