GISELA STIEGLER: TOKIOISMUS
„Das Nachdenken über kunstimmanente Fragestellungen ist immer auch ein Nachdenken über die menschliche Existenz“
Anlässlich der Eröffnung der Ausstellung GISELA STIEGLER. TOKIOISMUS führte Gabriele Spindler - Kunsthistorikerin und Kuratorin – ein Gespräch mit der Künstlerin, das zentrale Aspekte der aktuellen Werkphase kristallisieren ließ. Farbkräftige Skulpturen in Ultramarinblau, Orange, Violett und Silber bespielen die großzügigen Räumlichkeiten. Unter der strahlend weißen Neorenaissance-Decke strukturieren diese Skulpturen den Raum wie Staffagefiguren im kunsthistorischen Sinn: Sie erscheinen als Akteure innerhalb eines räumlichen Gefüges, lenken den Blick und bilden den Ausgangspunkt für eine Reflexion über Raum, Körper und kulturelle Erfahrung.
Der Ausstellungstitel Tokioismus geht auf einen längeren Tokio-Aufenthalt der Künstlerin 2024 zurück. Dabei bezeichnet er weniger eine persönliche Haltung als einen stilistischen Begriff, der aus der intensiven Begegnung mit der japanischen (Alltags-)Kultur entstanden ist. Prägend war dabei die Auseinandersetzung mit einer typischen, weil besonders ausgeprägten Form von Abstraktion.
Besonders in den Mittelpunkt des Interesses rückte für Gisela Stiegler die Figur des Sumō-Ringers. Dabei ging es weniger um den streng formalisierten Ringkampf an sich als um die körperliche und formale Präsenz der Kämpfer selbst. Volumen, Masse, Schwere und räumliche Wirkung wurden für sie zu wichtigen Bezugspunkten in der Entwicklung neuer skulpturaler Formen. Zeichnungen von Sumō-Ringern verweisen in der Ausstellung auf diesen Hintergrund und machen sichtbar, wie stark die Beschäftigung mit konkret forcierter Körperlichkeit die aktuelle Werkgruppe geprägt hat. Schon vor dem Japan-Aufenthalt ist in den Werken der Künstlerin die Auseinandersetzung mit dem räumliche und symbolische Kraft vereinenden Architekturelement in Form der klassischen Säule sichtbar. Sie tritt bei Stiegler nicht als Bauelement in Erscheinung sondern als archetypische skulpturale Form, die den Raum nicht nur strukturiert. Sie „aktiviert“ und verändert die Wahrnehmung des sie umgebenden Raumes. Damit wird die Säule zu einem Instrument, das nicht nur Raum einnimmt, sondern diesen überhaupt erst sichtbar und erfahrbar macht.
Die Beziehung zwischen Skulptur und Raum bildet einen wesentlichen Kern der künstlerischen Praxis von Gisela Stiegler. Ihre Arbeiten entstehen häufig in direkter Auseinandersetzung mit einem konkreten Ort. Skulpturen werden dabei zu „Raumgeneratoren“ indem sie rhythmisieren, Bezüge setzen und neue Raum-Wahrnehmungen eröffnen. Diesen Aspekt konnte Stiegler besonders spektakulär in der Wiener Jesuitenkirche mit der Skulptur der „41. Säule“ verwirklichen. Eigens für den sakralen Raum wurde eine elf Meter hohe Säule entwickelt. Diese trat ausgehend von ihrer Position in Dialog mit der Architektur des hochbarocken überkuppelten Kirchenraums. - Auch in diesem Projekt lassen sich Einflüsse japanischer Raum- und Ordnungsauffassung erkennen.
Immer wieder verweisen Arbeiten der Künstlerin auf biografische und kulturelle Prägungen. Die Erfahrung barocker Architektur, sakraler Räume und religiöser Bildtraditionen bilden einen wichtigen Hintergrund vieler Werke. Besonders deutlich wird dies in der aktuellen Ausstellung an der „Elektro-Madonna“: Anklänge an barocke Figurenwelten verbinden sich mit zeitgenössischen Fragen nach Ornament, Übersteigerung und skulpturaler Präsenz. Tokio, die Figur des Sumō-Ringers, die Säule, sakrale Architektur und öffentliche Räume fungieren dabei nicht als konkrete Themen sondern als Quellen für eine eigenständige Formensprache.
Die Ausstellung TOKIOISMUS zeigt lustvoll-sinnliche Transformationen von Raum, Körper und kultureller Erfahrung in skulpturale Form.
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Gisela StieglerO.T., 2026Mixed Media240 x 110 cmsigniert -
Gisela StieglerO.T., 2026Mixed Mediaca. 180 x 320 x 20 cmsigniert -
Gisela StieglerO.T., 2025Mixed Media52 x 33 x 20 cmsigniert -
Gisela StieglerO.T. , 2026Mixed Mediaca. 100 x 50 cmsigniert -
Gisela StieglerO.T., 2026Mixed Media100 x 45 x 50 cmsigniert -
Gisela StieglerO.T., 2024Mischtechnik auf Buchseite
32 x 26 cmsigniert -
Gisela StieglerO.T., 2026Mixed Media62 x 30 cmsigniert -
Gisela StieglerO.T., 2024Mischtechnik auf Buchseite25 x 17 cmsigniert -
Gisela Stiegler"Selbstporträt", 2026Mixed Media140 x 41 x 40 cmsigniert -
Gisela Stiegler"Elektro-Madonna", 2026Mixed Media
140 x 60 x 50 cmsigniert -
Gisela StieglerO.T., 2025Metall, frei geformt, pulverbeschichtet
Originalskulptur, Auflage (pro Farbe): 3
180 x 80 cm (Durchmesser Reifen)signiert -
Gisela StieglerO.T., 2025Metall, frei geformt, pulverbeschichtet
Originalskulptur, Auflage (pro Farbe): 3
180 x 80 cm (Durchmesser Reifen)signiert -
Gisela StieglerO.T., 2025Metall, frei geformt, pulverbeschichtet
Originalskulptur, Auflage (pro Farbe): 3
180 x 80 cm (Durchmesser Reifen)signiert
