HANS JOACHIM BREUSTEDT 1901 - 1984
Geboren in Steinach in Thüringen.
Meisterschüler Feiningers am Weimarer Bauhaus.
Ab 1938 Berufsverbot.
Nach dem Krieg sesshaft im Innviertel.
Heirat mit Margret Bilger.
Mitglied Artclub und MAERZ.
Die letzten Lebensjahre in Vevey am Genfer See.
Hier purzelt uns ein eigener Kosmos entgegen. Punkte und Linien, Farben und Formen, aneinandergehängte Prismen, die einen Kopf, eine ganze Figur, einen Reiter erkennen lassen oder aber sich gar nicht so weit vorwagen, lieber im Unsicheren verharren, uneindeutig bleiben und dadurch die Fantasie anregen, auf jeden Fall aber eine neue Welt erstehen lassen. Eine Welt, die einfach gebaut ist und doch von so vielem erzählt – vom Rhythmus zum Beispiel, der die Abläufe strukturiert und der im Zusammenspiel von Zeichnung und Farbe Ähnliches auslösen kann wie Musik, und zwar durch die gefundene Harmonie. Oder auch davon, wofür sie denn überhaupt stehen, die Zeichnung und die Farbe. Dass die Zeichnung (vereinfachend gesagt) das Rationale und die Farbe das Emotionale vertritt. Und dass das immer schon so war in der Malerei, aber bis ins frühe 20. Jahrhundert von den sichtbaren Inhalten, von der Erzählung, von den Augentäuschungen überdeckt war. Als Schüler Feiningers am Bauhaus in Weimar – und überzeugter Exeget Kandinskys und Klees – war Hans Joachim Breustedt überzeugt, dass die Malerei Zustände und Empfindungen zum Ausdruck bringen muss, und zwar jenseits der sichtbaren Wirklichkeit. Dass selbst Cézannes Entlang-der-Naturnicht mehr gilt und dass es die Aufgabe des Malers ist, eine „neue Natur“ zu schaffen.
Breustedt öffnet mit seinen Bildern ein weites Panorama. Alles, was von Menschen empfunden werden kann, wird ihm zum Thema. Zustände, Gefühle, Wahrnehmungen. Es gibt fröhliche Bilder, die von Heiterkeit geprägt sind, von Musik und Rhythmus, die komisch sein können, sonderbar auch, verblüffend, und es gibt durch und durch traurige Bilder, schwerblütig, dunkel oft und ernst, selbst im kleinen Format monumental und theatralisch. Und – es gibt alles dazwischen. Sentiment, Verinnerlichung, auch große Themen aus der Mythologie, Grundsätzliches zur Existenz des Menschen. Das Wesentliche dabei ist, dass Breustedt diese Inhalte nicht abbildet, sondern dass er sie erstehen lässt. Von Trauer etwa wird nicht mit der Darstellung von Tränen erzählt, sondern mit Linien, Farben und Formen, die in ihrer ganz bestimmten Kombination in uns die Empfindung von Trauer auslösen, so wie Heiterkeit keine Clowns braucht, keine „Komödie“ oder gar lachende Gesichter.
In den zahlreichen kleineren oder größeren „Köpfen“ wird das noch sinnfälliger. Denn da findet die so notwendige Psychologisierung des „Porträtierten“ auch nicht auf übliche Weise statt. Nicht Mimik, nicht gedankenverlorene Blicke oder bedeutungsschwangere Kopfhaltungen sprechen vom Charakter und Wesen des Dargestellten, sondern einzig die malerischen Mittel, die Linien, die Farben und die Formen, ihre Stellung zueinander und ihre abstrakte Aussagekraft.
Allen Bildern Breustedts ist eines gemein: der – abstrakte Malerei gewordene – Appell, den leisen Tönen zu vertrauen. Breustedt ist kein lauter Maler. Ganz im Gegenteil. Er webt feinsinnig an malerischen Oberflächen, die von Nuancen leben, zurückhaltend ihre Sogkraft entwickeln und uns – die Betrachterinnen und Betrachter – herausfordern und disziplinieren, im Angedeuteten, Unaufgeregten, sorgfältig Ausgewogenen das Wesen der Kunst zu erkennen. Und er vermag uns zu sensibilisieren. Er lehrt uns die Stille und das Zarte, das leise Vibrierende und Schimmernde. Und erklärt uns damit überzeugend, wie das geht mit dem großen Thema „Abstraktion und Einfühlung“.
Herbert Giese
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Hans Joachim BreustedtAbstrakte Komposition, 1980Öl auf Papier30,5 x 40 cmrechts oben monogrammiert und datiert: "[19]80",
rückseitig bezeichnet: "Inv. 895" -
Hans Joachim BreustedtAbstrakte Komposition, 1973Öl auf Leinwand38 x 46,5 cmlinks unten monogrammiert und datiert: "[19]73",
rückseitig bezeichnet: "Inv. 641" -
Hans Joachim BreustedtFiguren, 1965Öl auf Leinwand42 x 53 cmrechts unten monogrammiert und datiert: "[19]65",
rückseitig bezeichnet: "Inv. 1013" -
Hans Joachim BreustedtFlötenspielerin, 1967Öl auf Papier54 x 38,5 cmrechts unten monogrammiert und datiert: "[19]67",
rückseitig bezeichnet: "Inv. 331" -
Hans Joachim BreustedtGaloppierendes Pferd, 1962Öl auf Malkarton43,5 x 56,5 cmrechts unten signiert und datiert: "[19]62",
rückseitig bezeichnet: "Inv. 162" -
Hans Joachim BreustedtGelbe Reiter, 1979Öl auf Leinwand50 x 65 cmrechts oben monogrammiert und datiert: "[19]79",
rückseitig bezeichnet: "Inv. 276" -
Hans Joachim BreustedtFigurengruppe, 1978Öl auf Leinwand51 x 32 cmlinks oben monogrammiert und datiert: "[19]78",
rückseitig bezeichnet: "Inv. 695" -
Hans Joachim BreustedtFigurengruppe, 1978Öl auf Papier57 x 70 cmlinks oben monogrammiert und datiert: "[19]78",
rückseitig bezeichnet: "Inv. 653" -
Hans Joachim BreustedtKopf, 1967Öl auf Papier23,5 x 17 cmrechts unten monogrammiert und datiert: "[19]67",
rückseitig bezeichnet: "Inv. 567" -
Hans Joachim BreustedtKopf , 1980Öl auf Papier44 x 30 cmlinks oben monogrammiert und datiert: "[19]80",
rückseitig bezeichnet: "Inv. 981" -
Hans Joachim BreustedtKopf, 1969Öl auf Karton26 x 20 cmlinks oben monogrammiert und datiert: "[19]69",
rückseitig bezeichnet: "Inv. 508" -
Hans Joachim BreustedtKopf, 1973Öl auf Papier30 x 23,5 cmrechts unten monogrammiert und datiert: "[19]73",
rückseitig bezeichnet: "Inv. 574" -
Hans Joachim BreustedtBärtiger Mann, 1969Öl auf Papier23 x 15,5 cmlinks unten monogrammiert und datiert: "[19]69",
rückseitig bezeichnet: "Inv. 522" -
Hans Joachim BreustedtKomposition, 1977Öl auf Leinwand52 x 68 cmrechts unten monogrammiert und datiert: "[19]77",
rückseitig bezeichnet: "Inv. 893" -
Hans Joachim BreustedtAbstrakte Komposition, 1976Öl auf Malkarton48,5 x 31,5 cmlinks oben monogrammiert und datiert: "[19]76",
rückseitig bezeichnet: "Inv. 903" -
Hans Joachim BreustedtPastorale, 1963Öl auf Bütten51 x 70 cmrechts unten signiert und datiert: "[19]63",
rückseitig bezeichnet: "Inv. 383" -
Hans Joachim BreustedtAbstrakte Komposition, 1976Öl auf Leinwand33 x 48 cmlinks unten monogrammiert und datiert: "[19]76",
rückseitig bezeichnet: "Inv. 642" -
Hans Joachim BreustedtAbstrakte Komposition, 1973Öl auf Leinwand39 x 55 cmlinks unten monogrammiert und datiert: "[19]73",
rückseitig bezeichnet: "Inv. 913" -
Hans Joachim BreustedtStillleben, 1977Öl auf Papier48 x 64 cmrechts oben monogrammiert und datiert: "[19]77",
rückseitig bezeichnet: "Inv. 857" -
Hans Joachim BreustedtStillleben mit Krügen, 1977Öl auf Leinwand50 x 66 cmrechts oben monogrammiert und datiert: "[19]77",
rückseitig bezeichnet: "Inv. 808" -
Hans Joachim BreustedtTanzende, 1979Öl auf Leinwand53 x 34,5 cmrechts unten monogrammiert und datiert: "[19]79" ,
rückseitig bezeichnet: "Inv. 196" -
Hans Joachim BreustedtStillleben, 1970Öl auf Leinwand54 x 64 cmrechts unten monogrammiert und datiert: "[19]70",
rückseitig bezeichnet: "Inv. 791" -
Hans Joachim BreustedtVier Männer, 1978Öl auf Papier49 x 31 cmrechts unten monogrammiert und datiert: "[19]78",
rückseitig bezeichnet: "Inv. 1027" -
Hans Joachim BreustedtVögel, 1975Öl auf Leinwand34 x 49,5 cmrechts oben monogrammiert und datiert: "[19]75",
rückseitig bezeichnet: "Inv. 272" -
Hans Joachim BreustedtStillleben, 1972Öl auf Papier33 x 49,5rechts oben monogrammiert und datiert: "[19]72",
rückseitig bezeichnet: "Inv. 831" -
Hans Joachim BreustedtZwei Köpfe, Ende der 1960er JahreÖl auf Papier24 x 16 cmrückseitig bezeichnet: "Inv. 494"
![Hans Joachim Breustedt Abstrakte Komposition, 1980 Öl auf Papier 30,5 x 40 cm rechts oben monogrammiert und datiert: "[19]80", rückseitig bezeichnet: "Inv. 895"](https://static-assets.artlogic.net/w_500,h_500,c_limit,f_auto,fl_lossy,q_auto/ws-artlogicwebsite1189/usr/images/exhibitions/images_and_objects/28/breustedt.jpg)