GISELA STIEGLER: TOKIOISMUS
„Das Nachdenken über kunstimmanente Fragestellungen ist immer auch ein Nachdenken über die menschliche Existenz“
Lustvoll plastisch und farbkräftig präsentieren sich die Skulpturen von Gisela Stiegler. Sie strahlen in Ultramarinblau, Orange, Violett und Silber, die Farbe selbst scheint die geformte, bearbeitete Masse zu sein. An den Oberflächen lösen sich die prallen Formen meist in kerbenartig geschnitzten Strukturen auf, die sich zu dynamisch fließenden Licht-Schattenstrukturen verdichten. Oder sie treten dem Betrachter emailartig glänzend in makelloser Glätte entgegen, wenn es sich um pulverbeschichtetes Metall handelt. Die Schnittstellen zwischen Objekt, umgebendem Raum und umfangendem Licht sind sehr bewusst aufgeladene Zonen. In der Begegnung mit den Skulpturen ist es als Betrachter genau die sinnliche und gleichzeitig rationale erfassbare „Sensation" der Wechselwirkungen, die diese auszeichnet.
Mit der aktuellen Ausstellung entpuppen sich die großzügigen Galerieräumlichkeiten als Bühne für ein lebendiges und unkonventionelles Schauspiel neuer Möglichkeiten in puncto Plastik.
Die Wortschöpfung „Tokioismus" stammt von der Künstlerin selbst und bezieht sich nicht nur auf die Auseinandersetzung mit japanischer Kultur. Diese steht zum Teil sehr konkret hinter dem Schaffensprozess. Die Figur des Sumo-Ringers entwickelte sich 2024 im Zuge eines Tokio-Aufenthalts zu einem Motiv, das in Papierarbeiten und folglich plastisch verarbeitet wurde. Dabei ging es weniger um den streng ritualisierten Ringkampf als um die formalisierte physische Präsenz der Ringer. Volumen, Masse, Schwere und räumliche Wirkung der Sumotori wurden zu wichtigen Bezugspunkten in der Entwicklung neuer Skulpturen.
„Tokioismus" umfasst aber auch eine in der japanischen Lebenskultur verankerte Vorstellung, dass Raum an sich ein formbares und deshalb auch zu formendes Element sei. Die wechselseitige Verschränkung von plastischer Form und Raum spielt damit auch bei jenen Skulpturen Stieglers eine maßgebliche Rolle, die formal von der klassischen Säule ausgehen. Zum Teil in direkter Reaktion auf einen bestimmten Aufstellungsort verwandelt sich bei Stiegler das archaische Bauelement. Mittels Eingriffs in vermeintlich kanonische Proportionsverhältnisse und in Kombination mit signifikanten Farbentscheidungen wird es zum zeitlosen „Raumkatalysator" im Sinne der Strukturierung und Rhythmisierung.
Das künstlerische Reagieren auf kulturelle Symbole - von japanischen Ringkämpfern bis hin zu barocker Plastik - zum einen, zum anderen das Vermögen der Künstlerin, den Werken visuell und haptisch spezifische Aussagekraft zu verleihen, eröffnen hier dem Begriff von Skulptur neue Möglichkeiten.
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Gisela StieglerO.T., 2026Mixed Media240 x 110 cmsigniert -
Gisela StieglerO.T., 2026Mixed Mediaca. 180 x 320 x 20 cmsigniert -
Gisela StieglerO.T., 2025Mixed Media52 x 33 x 20 cmsigniert -
Gisela StieglerO.T. , 2026Mixed Mediaca. 100 x 50 cmsigniert -
Gisela StieglerO.T., 2026Mixed Media100 x 45 x 50 cmsigniert -
Gisela StieglerO.T., 2024Mischtechnik auf Buchseite
32 x 26 cmsigniert -
Gisela StieglerO.T., 2026Mixed Media62 x 30 cmsigniert -
Gisela StieglerO.T., 2024Mischtechnik auf Buchseite25 x 17 cmsigniert -
Gisela Stiegler"Selbstporträt", 2026Mixed Media140 x 41 x 40 cmsigniert -
Gisela Stiegler"Elektro-Madonna", 2026Mixed Media
140 x 60 x 50 cmsigniert -
Gisela StieglerO.T., 2025Metall, frei geformt, pulverbeschichtet
Originalskulptur, Auflage (pro Farbe): 3
180 x 80 cm (Durchmesser Reifen)signiert -
Gisela StieglerO.T., 2025Metall, frei geformt, pulverbeschichtet
Originalskulptur, Auflage (pro Farbe): 3
180 x 80 cm (Durchmesser Reifen)signiert -
Gisela StieglerO.T., 2025Metall, frei geformt, pulverbeschichtet
Originalskulptur, Auflage (pro Farbe): 3
180 x 80 cm (Durchmesser Reifen)signiert
