Robert Lettner 1943 Elne, Frankreich-2012 Wien
Literatur
H. Kraemer, "Robert Lettner. Das Spiel vom Kommen und Gehen. Widerstand, Utopie, Landschaft, Ornament", Klagenfurt 2018, Abb. S. 23Ausstellungen
"ROBERT LETTNER. WIDERSTANDSBILDER 1968 - 1979" EINE HOMMAGE ANLÄSSLICH DER 80. WIEDERKEHR DES GEBURTSTAGES VON ROBERT LETTNER (1943-2012)., Kunsthandel Giese & Schweiger, 21.9.-10.11. 2023
Provenienz
Archiv Robert LettnerIn diesem großformatigen Werk vollzieht sich eine Ästhetik der Distanz. Statt das Grauen des Vietnamkriegs unmittelbar abzubilden, wird dessen mediale Vermittlung untersucht. Mittels Schablonen und präziser Luftpinsel-Technik übersetzt die Malerei die flüchtige Signalästhetik des »Wohnzimmerkriegs« in eine statische Monumentalität – und macht die Kluft zwischen heimischer Couch und fernen Schlachtfeldern schmerzhaft spürbar. In der kühlen Textur des Farbauftrags verschwindet das Individuum restlos. Der Krieg gerät zur Topografie des Ungefähren, wobei die Diffusität kalkulierte Strategie ist: Im medialen Rauschen wird das Opfer zur anonymen Masse, die den Zuschauer nicht länger erreicht. Dieser sterile Einsatz des Airbrushs verweigert jede individuelle Handschrift; er spiegelt eine Kriegsmaschinerie wider, die kontaktlos aus der Luft tötet. Die Ambivalenz dieser Wahrnehmung kristallisiert sich im Doppeltitel: Während »Feuerwerk danach« die Verklärung von Destruktion zum Spektakel entlarvt, verweist »Abgebrannt – Gespenster der Nacht« auf die Realität der verbrannten Erde. Das Blau wandelt sich vom Symbol der Melancholie zum kalten Flimmern des Bildschirms. Doch anders als das flüchtige TV-Signal fixiert die Leinwand den Moment der Detonation und verweigert das bequeme Wegschalten. Diese »Gespenster« sind beides: die Opfer des Krieges und die traumatischen Nachwehen, die eine gesättigte Mediengesellschaft heimsuchen. Es ist ein verführerisches blaues Leuchten, das uns empfängt, um schließlich als bittere Asche im Gedächtnis zu bleiben.